Pestvögel und Totentanz

Knochenmänner, an denen zerschlissene Stofffetzen hinabhängen, erheben ihre Gliedmassen zum Tanz, mit festen Griffen ziehen sie Kinder, Edelmänner und -frauen, Ärzte und Geistliche mit in ihren todbringenden Reigen. Niemand, ob jung, ob alt, ob reich, ob arm – so impliziert die Darstellung – kann der Pest entkommen. Die Darstellung des Totentanzes, die im 14. Jahrhundert aufkommt, als die Pest in Europa wütet, führt dem Betrachter die Macht des schwarzen Todes vor Augen. Gleichzeitig warnen Pestdarstellungen vor Gottes Zorn, der sündhaftes Leben mit Krankheit und Tod bestraft. Pestsäulen, Pestkruzifixe und Pestaltäre werden errichtet, in der Hoffnung, Gottes Gnade erflehen zu können oder als Dank dafür, verschont worden zu sein. Die Künstler bedienen sich in ihren Pandemiedarstellungen oftmals einer Bildsprache, die etwas visualisieren muss, was nicht visualisiert werden kann, wie beispielsweise die nicht sichtbaren Übertragungswege der Krankheit. Mit dem Ausbruch von Covid-19 wird die künstlerische Auseinandersetzung mit Pandemien erneut virulent, wenngleich auch in anderen, oftmals digitalen Medien.

In diesem 90-minütigen Abendvortrag werden Pandemiedarstellungen vom Mittelalter bis zur Gegenwart hinsichtlich ihrer Ikonographie, ihrer Funktionen und ihrer Bedeutsamkeit als Zeitzeugnisse, die gesellschaftliche und politische Umbrüche dokumentieren, untersucht werden.


Kurs-Nr.

221-7028

Datum

19.01.2022

Tag

Mi

Dauer

Mi 19.01.2022
1x Mi 18:00–19:30h

Preis

CHF 42.00


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Anzahl Plätze

4 – 16

Standort

Volkshochschule Region Solothurn
Hauptbahnhofstrasse 8
4500 Solothurn


Kursleitung

Dr. Eva Bader


Preis

Standard CHF 42.00
Mitglied CHF 39.90

Veranstaltungen

Mi 19.01.2022 18:00 – 19:30